Die drei wilden Tage

Die Fasnacht ist für viele Baslerinnen und Basler die schönste Zeit des Jahres. Im protestantischen Basel bezeichnen die drei Tage im Februar oder März das Ende der Fastenzeit. Alles beginnt am Montagmorgen um vier Uhr: Es wird dunkel in der Stadt, nur die Laternen der Cliquen erleuchten die Stadt. Die Innenstadt bebt vom Lärm der Trommeln und Pfeifen, tausende Schaulustige beleben die Nächte, dutzende Altstadtkeller werden ausnahmsweise zum gemütlichen Lokal. 2010 wird die Basler Fasnacht vom 22. bis 24. Februar gefeiert.
Piccolo und Trommel
Während dreier Tage steht die Stadt Kopf, ist ausser Rand und Band, getragen vom Klang von zehntausenden von Piccolos und Trommeln. In sogenannten Cliquen marschieren sie durch die Stadt. Ihre Kostüme und Larven sind einem „Sujet“ gewidmet, einem Thema, das die Basler Gemüter im vergangenen Jahr beschäftigte. Es ist die Zeit der Satire, viele namhafte Künstlerinnen und Künstler engagieren sich auch an der Fasnacht. Seit ein paar Jahrzehnten ziehen auch die Guggemusiken durch die Stadt, Blas- und Perkussionsensembles irgendwo zwischen Big Band und Lärmmaschinen. Basel platzt fast vor Menschen während der Fasnacht.
Schnitzelbängg, Mehlsuppe und Zwiebelwähe
So wild und bunt kostümiert (Larve ist Pflicht) es während der drei Tage auch zugeht, und so sehr der spitze Basler Humor in Versen, in sogenannten "Schnitzelbängg" und auf mitgetragenen Laternen, zelebriert wird, so sehr wird der Fasnacht auch Melancholie und militärische Disziplin der Cliquenauftritte attestiert. Es ist eben beides drin: Sehnsucht und Lebensfreude, Narrenfreiheit und der Ursprung in den Söldnerzügen. Mehrere lokale kulinarische Spezialitäten kommen mit der Fasnachtszeit Hand in Hand: die Fastenwähen, ein Kümmelgebäck, die Fasnachtskiechli, eine hauchdünne süsse Versuchung, und das klassische Morgestraich-Menu, Mehlsuppe und Zwiebelwähe.
Die Ursprünge
Die Basler Fasnacht lässt sich etymologisch von der Fastenzeit herleiten, fixiert wird der wichtigste Event im Basler Leben auch durch christliche Festtage: die Fasnacht findet jeweils sechs Wochen vor Ostern, eine Woche später als bei den weitverbreiteten Fas(t)nachten im ganzen katholischen deutschsprachigen Raum statt. Ergebnis einer päpstlichen Kalenderrevision im 16. Jahrhundert, von welcher man im schon reformierten Basel partout nicht Kenntnis nehmen wollte. Aber sonst folgen die Feiertage brav dem - mit älteren Jahreszeitritualen schon verbundenen - christlichen Kalender protestantischer Prägung, mit Ausnahme des arbeitsfreien Tag der Arbeit am 1. Mai und dem Bundesfeiertag am 1. August.