Sonderausstellungen

12.09.2010Moyra Davey
Speaker Receiver 
 
Die Kunsthalle Basel freut sich "Speaker Receiver", die erste institutionelle Ausstellung in Europa mit Arbeiten von Moyra Davey anzukündigen. Die 1958 in Kanada geborene Künstlerin lebt und arbeitet in New York.

Daveys künstlerische Praxis umfasst Fotografie, Film und Video, ebenso wie Lesen und Schreiben. Sie versteht die beiden letztgenannten Aktivitäten als untrennbare und ebenso bedeutsame Techniken des Arbeitens: ihre lebhaftes, prägnantes Verständnis von Philosophie und Literatur führen zu neuen Schriften, die wiederum bestehende Texte reflektieren, da sie auf Erinnerungen und Zitaten aufbauen. Indem sie eine Affinität oder sogar einen wechselseitigen Einfluss zwischen den Tätigkeiten des Lesens und Schreibens vorschlägt, lokalisiert Davey den Punkt, an dem der Wunsch nach fliessender Produktion und Konsumation diese beiden normalerweise gegensätzlichen Seiten des Kommunikationsprozesses, sich treffen und überschneiden lässt. In Bezug auf Daveys Arbeit könnte man sagen: schreiben ist lesen. Die Künstlerin beschäftigte sich in ihrem langen Essay "The Problem of Reading" (Documents Books, 2003) ausführlich mit dieser Thematik. Ihre schriftstellerische Tätigkeit sollte nicht als Mittel zum blossen Kommentieren ihrer visuellen Produktion oder zur Darstellung des Quellenmaterials der richtigen Arbeiten verstanden werden, sondern als ein Element ihres Schaffens, um die Ideen, die ihre Fotografien und Filme zu erforschen suchen, hervor zu heben. Davey formuliert in der Tat nicht weniger als den Aufruf zu einer Fotografie, deren Ursprünge und Ziele im Schreiben liegen eine vernünftige Forderung, wenn wir Fotografie im Sinne der griechischen Etymologie des Wortes als eine Art mit Licht zu schreiben verstehen.

Zu der Ausstellung in der Kunsthalle Basel gehören zwei von Daveys neueren Videos: "Fifty Minutes" (2007), ein Monolog, komponiert aus Passagen über relevante Themen: Geld, Zeit, Abhöraktionen, Hollis Frampton, Nostalgie, Angst, Schwangerschaft, ein Sofa und ein Kühlschrank auf letzterem steht eine Skyline aus Nahrungsmitteln und Medikamenten und er taucht auch in einer von Daveys Fotografien auf; "My Necropolis" (2009), das dokumentiert, wie die Künstlerin die Gräber von Schriftstellern auf verschiedenen Pariser Friedhöfen besucht. Diese beiden Videos können von einem bequemen Sofa aus auf einem Monitor angeschaut werden. Das Sofa wurde im Ausstellungsraum plaziert, als ob es klar machen sollte, dass Daveys Häuslichkeit auf Kriegsfuss mit dem Museum steht.

Daveys ausgestellte Fotografien sind bescheiden in ihrer Grösse, traditionell abgezogen, auf eine kleine Anzahl an Motiven begrenzt und zeigen auf unspektakuläre Weise die Bedingungen des Lebens und Arbeitens als eine Metapher für die Condition Humaine und deren Widersprüche. Die Bilder zielen darauf ab, noch ein weiteres, fundamentaleres Paar von einander entsprechenden Zuständen als das von Übertragung und Empfang zu etablieren das des Arbeitens und Lebens. Vielleicht schlagen sie aber auch vor, arbeiten als leben zu verstehen, als nicht-befremdende Arbeit und somit als eine Existenz, die sich ihrer neu erkannten Fähigkeiten bewusst ist, ihrer noch zu erreichenden Möglichkeiten und inhärenten Begrenzungen. So gesehen macht Davey uns, die Betrachtenden, zu Komplizen im Prozess des Lebens, den sie in Fotografien unbelebter Dinge aufzeichnet, die von ihrem Gebrauch sprechen und von denen, die sie benutzen. Dadurch schafft sie es, dieses gut-geprüfte Leben (wie Helen Molesworth es ausdrückt) ans Licht zu bringen. Ihre Fotografien sind Elemente und Aufzeichnungen von etwas, was der italienische Autor Cesare Pavese im Titel seiner Tagebücher il mestiere de vivere nannte das Métier, oder die Profession, des Lebens.

"Speaker Receiver", der Titel von Daveys Ausstellung in der Kunsthalle, greift das Verständnis der Filmwissenschaftlerin, Kunsthistorikerin und Kritikerin Kaja Silverman von den Begriffen der Übertragung und des Empfangs von Bildern und Worten im Hinblick auf die Politik der Bildproduktion und der Geschlechter auf. Wie Silverman in ihrem Aufsatz "The Author as Receiver" (October, no. 96, 2001) und in ihrem jüngsten Interview mit George Baker (Artforum, Februar 2010) beschreibt, ist eine solche Übertragung Teil einer patriarchischen, totalisierenden Ordnung, während der Empfang eine produktive Möglichkeit in den Händen von Künstlern ist.

Dementsprechend lautet Daveys Vorschlag, dass Künstler ebenso Empfänger wie Sprecher sind. Eine Idee, in der vielleicht auch die negative Fähigkeit mitschwingt, die John Keats am 21. Dezember 1817 in einem Brief an seinen Bruder erwähnt ( when man is capable of being in uncertainties (wenn ein Mensch dazu fähig ist, in Ungewissheit zu sein)).

Die Ausstellung in Basel wird von einer neuen Monografie begleitet, die ebenfalls den Titel "Speaker Receiver" trägt. Die Publikation wird herausgegeben von Adam Szymczyk, von Sternberg Press veröffentlicht und enthält Essays von George Baker, Chris Kraus, Bill Horrigan und Erik Rosenberg, sowie ein Interview mit der Künstlerin. Teil von "Speaker Receiver" ist auch "Index Cards", ein neuer Text von Davey, in der sie über Dinge, wie eine gerade überstandene Krankheit, ihre persönliche Kartographie von Paris und ihre Gewohnheit, Zeitung zu lesen, nachdenkt. Mehr noch als eine systematische Argumentation zu formulieren, entfaltet sich der Aufsatz in einer Reihe von kurzen takes oder Fragmenten und beginnt mit einem Zitat aus Walter Benjamins Brief an Gershom Scholem, in dem Benjamin die Uhr, die er aus dem Fenster seines Ateliers heraus sieht, eher rätselhaft als Luxus, ohne den er nicht auskommen kann bezeichnet. Zusätzlich umfasst "Index Cards" Kurzgeschichten zu so bemerkenswerten und aussergewöhnlichen Individuen wie dem Architekten Aldo Rossi, der Schriftstellerin Jane Bowles und das Schachwunder Paul Morphy.

Das Buch wurde von der in Amsterdam lebenden Schweizer Grafikerin Julia Born gestaltet und bringt diverse Aspekte von Daveys Arbeit zusammen. Fotografien, die in der Reihenfolge ihres Erscheinens in die Texte eingestreut wurden, unterbrechen die Beiträge der Schreibenden. Weiter entschied sich die Künstlerin, für ihren eigenen Essay und für das während der Vorbereitungen für die Ausstellungen improvisierte Interview ihre fotografischen Mailers zu reproduzieren. Davey nennt diese in Serie und Format einzigartige Arbeit gern einfach mail art (Post-Kunst). Es handelt sich um dreissig mal fünfundvierzig Zentimeter grosse, in Fotolabors entwickelte Fotografien, welche die Künstlerin faltet und mit der Post an die Kuratoren und Galleristen schickt, bei denen sie ausstellt. Wenn die Fotos ankommen, werden sie aus dem Umschlag genommen (oder, wenn sie nur zugeklebt waren: werden sie geöffnet) und ausgebreitet. In der Form eines Rasters werden die Mailers , samt lesbarer Namen und Adressen, Briefmarken, Falten und zufälliger Risse und Zeichen der Abnutzung an die Wand geheftet, wo sie den blossen Begriff des Unfalls verkörpern, der in Daveys Schriften und besonders in ihrem Essay Notes on Photography & Accident von entscheidender Bedeutung ist. In der Ausstellung in der Kunsthalle Basel werden mehrere dieser Raster neben einzelnen Fotografien gezeigt, die ausgewählte Details aus dem Atelier und der Wohnung der Künstlerin zeigen, in der sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn lebt. Zu diesen Details gehören eine Hundepfote auf einem staubigen Fussboden, die Nadel auf einer Langspielplatte, Hüllen und Stapel von Platten, eine mit den Worten long life cool white beschriebene Neonröhre, sich auf Regalen türmende Bücher und Papiere, Zeitungsausschnitte, billige Knöpfe, gebrauchte Kupfer-Pennies mit der Prägung von Abraham Lincolns Profil (Copperheads, 1990), eine Sammlung von Verstärkern und Lautsprechern, leere Whiskeyflaschen und vieles mehr.

Die Arbeit von Moyra Davey wurde 2008 in der Übersichtsausstellung "Long Life Cool White" im Fogg Museum, Harvard University Art Museums, gezeigt. Helen Molesworth war die Kuratorin und gab unter demselben Titel auch den Begleitkatalog heraus (Yale University Press, 2009). In New York stellte Davey in Colin de Lands berühmter Galerie American Fine Arts aus und war Partnerin in der kooperativen, von Künstlern geleiteten Galerie Orchard. Sie ist ausserdem Herausgeberin von "Mother Reader: Essential Writings on Motherhood" (Seven Stories Press, 2001), einer Sammlung von Texten über die Überschneidung von Mutterschaft und kreativem Leben . Zu ihren letzten Gruppenausstellungen gehören "Photography on Photography: Reflections on the Medium Since 1960" im Metropolitan Museum of Art in New York im Jahr 2008 und "Calendar of flowers, gin bottles, steak bones" (mit James Welling und Claire Pentecost) in der Orchard Galerie in New York im Jahr 2007. Moira Daveys nächste Ausstellungen sind "Atlas" (kuratiert von Georges Didi-Huberman) und "Mixed Use, Manhattan: Photography and Related Practices, 1970s to the Present" (kuratiert von Lynne Cooke und Douglas Crimp), die beide 2010 im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid stattfinden werden. Daveys Arbeit ist derzeit auch bis zum 25.September in "Strange Comfort (Afforded by the Profession)" (kuratiert von Adam Szymczyk und Salvatore Lacagnina) im Keats-Shelley-Haus in Rom zu sehen.
MuseumKunsthalle Basel
Start17.06.2010
Ende12.09.2010
12.09.2010Roboterträume
 
 
Als mechanischer Freund und Helfer wurde er erdacht, als Maschine mit künstlicher Intelligenz fordert er die Wissenschaft heraus, als unberechenbare Kreation beflügelt der Roboter Musik, Film, Literatur und die Kunst: Zusammen mit dem Kunsthaus Graz hat das Museum Tinguely neun Künstlerinnen und Künstler mit der Entwicklung eigener Roboterträume beauftragt.

Der Ausstellungstitel Roboterträume ist vom russisch-amerikanischen Biochemiker und Science-Fiction-Schriftsteller Isaac Asimov (1920-1992) entliehen. In der gleichnamigen Kurzgeschichte aus dem Jahr 1986 wird der folgenschwere Traum eines Roboters beschrieben, der das Volk der künstlichen Wesen aus der Knechtschaft zu befreien versucht und deshalb eliminiert werden muss.

Mit seinen Robotergeschichten hat Asimov einen prägenden Einfluss auf die Science-Fiction-Literatur und Filmgeschichte ausgeübt. Mit dem Thema künstliche Intelligenz sowie mit den Fragen, wie und wie weit Roboter künstliche Intelligenz einsetzen können und sollen und was damit ausgelöst werden soll und kann, wollen sich nun auch das Museum Tinguely und das Kunsthaus Graz auseinandersetzen. Nach der erfolgreichen Ausstellung Bewegliche Teile vor sechs Jahren ist dies die zweite Zusammenarbeit der beiden Häuser.

Auftragsarbeiten
Konkret wurden neun Künstlerinnen und Künstler mit entsprechenden Recherchen bzw. Auftragsarbeiten zum Thema Robotik und künstliche Intelligenz betraut. Zusätzlich zur eigenen Arbeit sollten sie auch noch ein bestehendes Referenzwerk benennen. Wir wollten den historischen Diskurs mit dem Thema ausblenden , sagt der Basler Co-Kurator der Ausstellung, Andres Pardey: Uns interessiert, was passiert, wenn sich ein Künstler oder eine Künstlerin frisch mit der Materie befasst.
Die Resultate sind so unterschiedlich wie die Arbeitsweise der Künstlerinnen und Künstler, die sie erschaffen: Das Basler Künstlerduo Sibylle Hauert und Daniel Reichmuth zum Beispiel befasst sich stetig mit interaktiven Maschinen und mit künstlicher Intelligenz. In der Ausstellung wird auf Basis von Spracherkennung ein Dialog zwischen Mensch und Maschine ermöglicht. Der österreichische Künstler Thomas Baumann dagegen, der für Bewegliche Teile die grosse Blechwelle geschaffen hat, entwickelt in bewusster Abgrenzung zum Gegenstand der Ausstellung einen Antiroboter.

Mehrere Künstler befassen sich mit dem Thema Robotik und künstliche Intelligenz im Film: Der Salzburger Filmemacher und Multimediakünstler Virgil Widrich und der deutsche Künstler John Bock setzen sich in mit filmischen Mitteln und Filminstallationen mit Robotern und künstlich erschaffenen Menschen in der Filmgeschichte auseinander, während ihr New Yorker Kollege Jon Kessler das Publikum mit seiner Installation über Videoüberwachung wiederum mit einbezieht.

Ganz anders nähern sich der Genfer Künstler Luc Mattenberger und der Franzose François Roche dem Thema: Mattenberger konstruiert eine mächtige Jetski-Bombe und nimmt damit auf den Umstand Bezug, dass ein Selbstmordattentäter selber zu einer Art Roboter wird. Roche arbeitet an einem Roboter, der Häuser entwirft und baut. Die Arbeit des Österreichers Niki Passath wiederum fusst auf dem Prinzip der Schwarmroboter Kleinroboter, die miteinander agieren und in der Gruppe eine Aufgabe erledigen , die in der Ausstellung mit den Besucherinnen und Besuchern interagieren. Die Australierin Kirsty Boyle schliesslich versucht den traditionellen mechanischen Karakuri-Figuren aus Japan Bewegungsintelligenz einzuhauchen.
Ergänzt durch die Referenzwerke das bekannteste dürfte der Andy Warhol-Robot (1994) von Nam June Paik sein eröffnen die künstlerischen Roboterträume facettenreiche Einblicke in die grosse Frage nach der Ersetzbarkeit des Menschen durch Maschinen.
MuseumMuseum Tinguely
Start09.06.2010
Ende12.09.2010
12.09.2010100 Badische Jahre
Wanderausstellung zum 100jährigen Jubiläum des Landesvereins Badische Heimat e.V. 
 
100 Jahre Landesverein Badische Heimat der Verein schaut zurück auf eine ereignisreiche Zeit voller historischer und prägender Momente. Im Spannungsfeld zwischen Tradition, Kontinuität und Fortschritt verfolgt die Badische Heimat ihre Ziele wie Schutz der Natur, der Umwelt und der Landschaft, Sicherung der Denkmalpflege, Förderung von Regional- und
Landesgeschichte und Volks- und Heimatkunde. Schautafeln und Einzelobjekte geben Einblicke in den Gang der Vereinsgeschichte, eingebettet in die allgemeine badische Geschichte.
MuseumMuseum am Burghof, Lörrach
Start07.08.2010
Ende12.09.2010
12.09.2010The Photograph and the Artist
 
 
MARKUS AMM, JOHN BEECH, CLARE KENNY, FABIAN MARTI, BIANCA PEDRINA, FABIO MARCO PIROVINO, CLAUDIA WIESER

kuratiert von Clare Kenny
MuseumAusstellungsraum Klingental
Start08.08.2010
Ende12.09.2010
19.09.2010Heimliche Helden
Das Genie alltäglicher Dinge 
 
Vom 20.8. bis 19.09.10 präsentiert das Vitra Design Museum in Kooperation mit Hi-Cone im Buckminster Fuller Dome/ Vitra Campus die Ausstellung: "Heimliche Helden. Das Genie alltäglicher Dinge".

Wir benützen sie tagtäglich. Sie prägen unser Leben. Sie existieren milliardenfach. Sie sind so selbstverständlich, dass wir kaum einen Gedanken an sie verschwenden: Die heimlichen Helden des Alltags. Ob Dübel, Teebeutel oder Reißverschluss, es sind Klassiker, die meist auf eine ebenso einfache wie geniale Idee zurückgehen und die seit Jahrzehnten im Kern unverändert geblieben sind. Mit ihrer Beständigkeit, ihrer effizienten Materialverwertung und ihrem hohen Gebrauchswert sind sie Musterbeispiele für Nachhaltigkeit und für die Ästhetik des Nützlichen. Mit der Ausstellung Heimliche Helden. Das Genie alltäglicher Dinge präsentiert das Vitra Design Museum gemeinsam mit Hi-Cone 35 dieser Alltags-Klassiker, informiert über ihre Geschichte und zeigt, welche enorme Bedeutung sie heute haben, ideell und wirtschaftlich.
MuseumVitra Design Museum, Weil am Rhein
Start20.08.2010
Ende19.09.2010
19.09.2010Die Essenz der Dinge
Design und die Kunst der Reduktion 
 
Es liegt in der Natur des Menschen, stets nach der einfachsten Lösung zu suchen. Tatsächlich wurden edle Einfalt und stille Größe nicht erst im Klassizismus idealisiert und das Weniger ist Mehr des modernen Designs wirkt als Leitgedanke über die Postmoderne hinaus bis in unsere Zeit.

Die Ausstellung Die Essenz der Dinge beleuchtet die Einflüsse und Motive eines Prinzips, das die Gestaltung raum- und zeitübergreifend geprägt hat. Die Vielfalt dieses Phänomens belegen Beispiele von Thonets legendärem Stuhl No. 14 über Möbel und Produktdesign von Gerrit Rietveld, Le Corbusier, den Eames, Max Bill, Dieter Rams, Shiro Kuramata oder Jasper Morrison bis hin zum iPod und dem jüngsten Kohlefaserstuhl von Shigeru Ban. Ergänzt werden diese um Fotos aus Architektur, Mode und Kunst. Bei aller Rationalisierung von Verfahren und Materialien, der Konzentration auf funktional Wesentliches und der Abstraktion von Formen bis hin zum Verschwinden der Dinge zeigt sich, wie komplex das Prinzip der Einfachheit ist.
MuseumVitra Design Museum, Weil am Rhein
Start20.03.2010
Ende19.09.2010
19.09.2010Æuroasia - Ein Filmprojekt
 
 
Den Sommer 2009 hat der junge Riehener Künstler Tobias Madison gemeinsam mit seinen Freunden damit verbracht, in einem Mitsubishi Jeep von Riehen nach Hong Kong zu fahren. Die Route für die Reise wurde entlang signifikanter Monumente und Repräsentationsbauten ehemaliger sozialistischer Staaten und neuer, aufstrebender Regime geplant. Ziel der Reise waren umfangreiche Recherchen im ehemaligen Jugoslawien, den südlichen Teilen der ehemaligen Sowjetunion, der Mongolei und den Metropolen Chinas. Entstanden sind dabei ein Dokumentarfilm, eine fotografische Bildstrecke und eine grosse Anzahl von Texten.

Die Ausstellung im Kunst Raum Riehen, die Tobias Madison und Jan Vorisek gemeinsam kuratieren, wird eine erste umfassende Übersicht über das Projekt anhand einer für den Raum gefertigten Installation mit Teilen des Dokumentarfilms, Bild- und Textmaterial zeigen. Ergänzend zur Ausstellung wird ein Rahmenprogramm mit Filmen, Musik und Vorträgen zusammengestellt.

Mit Nils Bech, If You re Into It, We re Out Of It , Martin Jaeggi, Tobias Madison, Oliver McGarvey, Sergei Tcherepnin, Jan Vorisek, Julian Zuber, Dominik Zwahlen

Mit Unterstützung der Gemeinde Riehen

Sonntag, 22. und Freitag, 27. August, jeweils 20 Uhr:
Begleitendes Filmprogramm von Martin Jaeggi
Mittwoch, 15. September, 20 Uhr:
Vortrag von Dominik Zwahlen, anschliessend Filmprogramm von Martin Jaeggi
MuseumKunst Raum Riehen
Start21.08.2010
Ende19.09.2010
19.09.2010Eva&Franco Mattes aka 0100101110101101.org
AD/HD 
 
Eva und Franco Mattes aka 0100101110101101.org gehören zu den wichtigsten europäischen Medienkünstlern. Die Ausstellung zeigt neben den von Avataren ausgeführten Reenactements von Performances der 60er/70er Jahren die Performances, die das italienische Künstlerduo in jüngster Zeit in Online-Spielwelten durchführen.
Museum[plug.in] Kunst und neue Medien
Start11.06.2010
Ende19.09.2010
19.09.2010Ausstellung zum Erweiterungsbau Kunstmuseum Basel
 
 
Der geplante Erweiterungsbau des Kunstmuseums schafft dringend benötigten Platz für Sonderausstellungen und ermöglicht eine zeitgemässe Präsentation der wertvollen
Kunstwerke aus der Öffentlichen Kunstsammlung. Mit dem Projekt von Christ & Gantenbein Architekten fügt sich der Erweiterungsbau harmonisch in die Stadtstruktur und bildet ein selbstbewusstes Gegenüber zum Stammhaus. Die Eröffnung ist für 2015 vorgesehen.

Die Ausstellung im Sieben-Fenster-Saal im Erdgeschoss zeigt anhand von Modellen, Plänen und Visualisierungen dieses dritte, dynamische Haus der Öffentlichen Kunstsammlung. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung: Tagespresse und www.kunstmuseumbasel.ch
MuseumKunstmuseum Basel
Start12.05.2010
Ende19.09.2010
26.09.2010Kabinettstücke 26: Kinder- und Jugendbücher der Sammlung Elisabeth Schindler-Holzapfel
 
 
Kleine Auswahl aus der grossen Sammlung, die im Besitz des Museums der Kulturen Basel ist.
Verlängert bis 26.9.2010
MuseumSpielzeugmuseum, Dorf- und Rebbaumuseum Riehen
Start11.08.2010
Ende26.09.2010
26.09.2010Rodney Graham
Through the Forest 
 
Gezeigt werden nahezu 100 zwischen 1978 und 2008 entstandene Arbeiten des Kanadiers Rodney Graham (*1949). Der Künstler bedient sich unterschiedlichster Medien wie Bücher, Video, Skulpturen, Apparate, Malerei, Installation, Druckmaterial und Musik. Mit ironischer und gleichzeitig respektvoller Geste bezieht sich der Künstler auf unterschiedliche Werke aus der Zeit der Aufklärung bis zur Gegenwart. Angesehenen Figuren der Kunst, Literatur, Philosophie oder der Popmusik zollt er dadurch Tribut, jedoch nicht ohne deren zweifelsfreien Einfluss zu entmystifizieren. Sigmund Freud, Donald Judd, Edgar Allan Poe, Georg Büchner, Jeff Wall, Pablo Picasso ihr Werk steht als konzeptuelle Referenz vielen Arbeiten Grahams zur Verfügung. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museu d'Art Contemporani de Barcelona (MACBA) und der Hamburger Kunsthalle.
MuseumKunstmuseum Basel, Museum für Gegenwartskunst
Start13.06.2010
Ende26.09.2010
03.10.2010Matthew Barney
Prayer Sheet with the Wound and the Nail 
 
Mit Matthew Barney (*1967) präsentiert das Schaulager einen der schillerndsten Sterne am Himmel der US-amerikanischen Kunstszene. Die Ausstellung mit dem an Heiligenlegenden erinnernden Titel Prayer Sheet with the Wound and the Nail konfrontiert das sperrige Werk dieses aussergewöhnlichen Künstlers mit Zeichnungen und Druckgrafiken alter Meister.

Matthew Barney, der in seiner Jugendzeit als Model und Footballspieler gearbeitet hatte, versteht es ausgezeichnet, sich in Szene zu setzen. In praktisch all seinen Arbeiten tritt der Künstler nicht nur als Schöpfer, sondern auch als Protagonist in Erscheinung. Ausgehend von einem erweiterten Skulpturbegriff vereint Barney Performance, Video und Film, Fotografie, Zeichnung und Plastik zu multimedialen Installationen, die bildgewaltige wie absurd grotestke, rätsel- und gleichnishafte Geschichten erzählen.

So auch im abendfüllenden Spielfilm Drawing Restraint 9 , wo ihm seine Lebensgefährtin, die bekannte Musikerin und Sängerin Björk, die überdies den meditativen Soundtrack zum Film beigesteuert hat, zur Seite steht: Ein Mann (Barney) und eine Frau (Björk) schreiten im Bauch eines japanischen Walfangschiffs zur Vermählung, die einem grotesk überhöhten Shinto-Zeremoniell folgt. Auf dem Höhepunkt der Hochzeit schneidet sich das Paar die Beine ab, um sich nach dieser grausig-wundersamen Metamorphose mit den gejagten Walen im eisigen Meer zu vereinen.

Zeichnen mit Hindernissen
Der 2005 entstandene Film ist Teil einer Werkserie, die sich über die gesamte bisherige Laufbahn des Künstlers zieht, den das New York Times Magazine 1999 zum most important American Artist of his generation gekürt hat. Die Reihe umfasst bisher 16 Teile und trägt den Titel Drawing Restraint , was sinngemäss mit Zeichnen mit Hindernissen oder Zeichnen unter erschwerten Bedingungen übersetzt werden kann.

Dieses Prinzip zieht sich als durchgängiges Motiv durch die Performance- und Filmreihe. Barney lotet darin auf unterschiedliche Weise die naturgegebenen Grenzen des Körpers und Geistes aus. In den ältesten Performances inszenierte er sich als Künstler, der sich selber massive Widerstände auferlegt: Um ein bleibendes Werk, etwa eine Zeichnung anfertigen zu können, muss er Rampen besteigen, auf einem Trampolin zur Decke hoch springen oder den Gegenzug elastischer Bänder überwinden. Im Verlauf der Serie weitet Barney das Setting über den Kampf gegen physische Schranken aus: Die Performances bekommen eine ausgefeilte Dramaturgie, die Erzählungen werden allegorischer zum Beispiel, wenn er in Drawing Restraint 7 (1993) drei Satyre beim lustvoll-bizarren Kampfspiel in einer Luxuslimousine zeigt.

Dialog mit alten Meistern
Aus der Performancereihe sind neben den filmischen Dokumentationen Skulpturen, Schauvitrinen, Videos und Zeichnungen hervorgegangen. Dieses sorgsam arrangierte Drawing Restraint -Archiv ist von der Laurenz-Stiftung gemeinsam mit dem Museum of Modern Art, New York, unlängst aufgekauft worden und kann nun erstmals in seiner Gesamtheit präsentiert werden. Zudem werden weitere Arbeiten Barneys zu sehen sein, Werke aus der Emanuel Hoffmann-Stiftung und Leihgaben.

Das Schaulager geht noch einen Schritt weiter: In enger Zusammenarbeit mit dem Künstler setzt der Gastkurator der Ausstellung, der New Yorker Autor und Ausstellungsmacher Neville Wakefield, die Arbeiten Barneys in einen Dialog mit christlich-ikonografischen Stichen, Holzschnitten und Zeichnungen von Renaissance-Meistern wie Martin Schongauer, Albrecht Dürer oder Urs Graf. In den bildlichen Erzählungen von Busse, Leid und Verklärung soll Barneys Interesse an den Grenzen der physischen und psychischen Ordnung des Lebens ein Pendant finden.
MuseumSchaulager, Münchenstein/Basel
Start12.06.2010
Ende03.10.2010
03.10.2010August Babberger
Der badische Expressionist 
 
Der Maler August Babberger zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Expressionismus im deutschen Südwesten und in der Innerschweiz. 1885 in Hausen im Wiesental geboren und 1936 im schweizerischen Altdorf gestorben, gehörte Babberger zu den wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten der Klassischen Moderne beider Länder und Regionen. Dennoch zählt er heute noch immer zu den fast vergessenen Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts.

Aus Anlass des 125. Geburtstages würdigt das Museum am Burghof in Lörrach das Werk August Babbergers in einer Sonderausstellung. Im Mittelpunkt steht der Sammlungsbestand des Museums, der erstmals vollständig im großen Sonderausstellungsraum präsentiert wird. Mit Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Druckgraphiken der Jahre 1908 bis 1936 vermittelt die Ausstellung einen repräsentativen Überblick über sämtliche Schaffensphasen. Bereichert werden die Werke aus dem Lörracher Besitz durch ausgewählte Leihgaben öffentlicher und privater Sammlungen aus Deutschland und der Schweiz.

Das Werk des Südbadeners entfaltete sich im Spannungsfeld zwischen freier und angewandter Kunst. Als bergbegeisterter Landschaftsmaler und figürlicher Wandbildgestalter widmete sich Babberger zeitlebens seinem Leitthema Mensch und Natur.

Die Jubiläumsausstellung ermöglicht erstmals seit 10 Jahren die Wiederentdeckung des vergessenen badischen Expressionisten. Im begleitenden Bestandskatalog ist die Lörracher Babberger-Sammlung erstmals umfassend dokumentiert.
MuseumMuseum am Burghof, Lörrach
Start11.08.2010
Ende03.10.2010
03.10.2010 Ja, ich will!
Eine Sonderausstellung über Brautmode, Brauchtum und Traditionen rund ums Heiraten 
 
Die Ausstellung zeigt über 350 Objekte zum schönsten Tag im Leben: bezaubernde Hochzeitskleider mit Schleier, traumhafte Hochzeitsschuhe, nostalgische Brautsträusse, romantische Handschuhe sowie Brautkränze aus Myrte mit Wachsblüten und knospen, aber auch Hochzeitskronen, Brautkronenstühlchen unter Glasdomen, alte Originalfotos und viele weitere Hochzeitserinnerungen aus der Zeit von ca. 1810 bis 1960. Exklusive Brautkleider und ausgewählte Accessoires verkörpern als Zeitzeugen Brauchtum und Traditionen, die sich über Jahrhunderte teilweise bis in die heutige Zeit gehalten haben.

Mit Filmen von Brautmodeschauen vergangener Jahrzehnte können sich die Besucherinnen und Besucher auf die Sonderausstellung einstimmen. Dazu gehören auch die historischen bewegten Bilder königlicher Hochzeiten aus der ganzen Welt mit dem original englischen Ton oder mit deutscher Übersetzung. Unter anderen werden die Hochzeit von Prinz Rainier III. von Monaco mit Grace Patricia Kelly, die Hochzeitszeremonie des Schahs von Persien mit Farah Diba sowie die Vermählung von Prinz Charles von England mit Lady Diana gezeigt.

Als Besonderheit kann ein 30 cm breiter Streifen vom Stoffballen des Brautschleiers von Diana, der Pricess of Wales, bewundert werden.
MuseumPuppenhausmuseum
Start17.04.2010
Ende03.10.2010
24.10.2010Hurzlmeier
Meisterwerke der komischen Periode 
 
Das Cartoonmuseum Basel feiert seine 30-jährige Ausstellungstätigkeit mit Rudi Hurzlmeier (*1952), einem Mitbegründer und Hauptvertreter der komischen Malerei.
Im niederbayrischen Kloster Mallendorf geboren, lebt Hurzlmeier heute in München als Maler, Zeichner, Cartoonist und Autor. In seinen Gemälden spielt er virtuos mit der Diskrepanz zwischen seiner altmeisterlichen Malweise und komischen, oft absurden, meistens grotesken, manchmal auch makabren Motiven. Vom Akt über die Landschaft, das Historienbild und das Porträt bis hin zum Stillleben ist kein Genre der klassischen Malerei gegen seinen ikonoklastischen Zugriff gefeit. Indem Hurzlmeier konsequent alle Klischees und Erwartungen unterläuft, löst er beim Betrachter Verblüffung, Irritation und schliesslich Heiterkeit aus.
MuseumCartoonmuseum Basel
Start26.06.2010
Ende24.10.2010
24.10.2010Richard Neutra Bauten und Projekte 1960 1970 in der Schweiz
 
 
Zwischen 1960 und 1970 realisierte der seit 1923 in den USA tätige Architekt Richard Neutra (*1892 in Wien, +1970 in Wuppertal) in Europa zwei Wohnsiedlungen und acht Villen, davon vier in der Schweiz; drei weitere Schweizer Projekte blieben unrealisiert.
Ein im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung erstmals grundlegend erforschtes Kapitel der europäischen Architekturgeschichte wird neu aufgerollt: Pläne, Zeichnungen und weitere Materialien aus dem Nachlass von Richard Neutra in Los Angeles dokumen-tieren nicht nur das Schweizer uvre des Architekten, sondern lassen auch seine Arbeitsweise, seine Beziehung zu den Auftraggebern und sein Architekturverständnis anschaulich werden. Dazu treten grossformatige Modelle und eigens für die Ausstellung angefertigte Fotos des niederländischen Architekturfotografen Iwan Baan.

Dass Neutra in Europa nicht nur als Architekt luxuriöser Villen reüssierte, beweisen die Wohnsiedlungen in Deutschland. Begeistert hatte er 1960 nach einem Besuch der Siedlung Halen von Atelier 5 bei Bern festgehalten: «really doing honor to Switzerland».

Die Ausstellung wurde für das Museum MARTa in Herford erarbeitet und für Basel angepasst sowie durch zusätzliche Materialien ergänzt.
MuseumS AM Schweizerisches Architekturmuseum
Start22.08.2010
Ende24.10.2010
24.10.2010Frisch gestrichen
Special 30 Jahre Cartoonmuseum Basel 
 
Vor den spitzen Federn der humoristischen Zeichner ist niemand sicher. Kunstwerken geht es da nicht besser. Je höher der Sockel, auf dem sie stehen, desto grösser die Lust, daran zu wackeln.

Es gibt Cartoonisten, die nicht davor zurückschrecken, Meisterwerke zu übermalen, aber die richtig unverfrorenen tummeln sich in der Königsdisziplin der Kunstsatire der Kunstparodie.

Dieter Burckhardt, der Gründer und Stifter des Museums, war der Kunstsatire sehr verbunden und hat sie intensiv gesammelt. Diese reizvolle Gattung ist deshalb besonders oft und mit aussergewöhnlichen Werken in der Sammlung des Cartoonmuseums vertreten. Die Jubiläumsausstellung zeigt eine Auswahl dieser Arbeiten im Cartoonforum. Sie wird von einer gleichnamigen Publikation mit 30 Postkarten begleitet.
MuseumCartoonmuseum Basel
Start26.06.2010
Ende24.10.2010
31.10.2010Fabio Marco Pirovino
RAZZLE DAZZLE (PPG) 
 
Die Einladungskarte zum neuen Projekt an der Rückwand der Kunsthalle Basel von Fabio Marco Pirovino (1980, Basel) zeigt seine Fotografie "PPG", 2006. Es ist die Reproduktion der Rückseite eines Bildes, das in Plastik eingeschweisst ist. Schaut man genauer hin, erkennt man einen Stempel mit dem Namen Pablo Picassos sowie ein Preisschild mit Barcode, auf dem "Guernica" und 6,30 zu lesen sind. Es handelt sich um eine billige Reproduktion von "Guernica", dem ikonischen Gemälde des spanischen Malers, welches er 1937 als Reaktion auf die Zerstörung der baskischen Stadt Guernica malte. Guernica wurde während des Spanischen Bürgerkriegs am 26. April 1937 durch Flugzeuge der deutschen Fliegerabteilung Legion Condor, die Verbündete von General Francisco Franco und den Nationalisten waren, bombardiert. Picasso hatte schon früher den Auftrag der spanischen Regierung erhalten, ein Gemälde für die Weltausstellung 1937 in Paris zu entwerfen und entschied sich nach der Bekanntmachung des Angriffs gegen sein ursprüngliches Konzept mit dem Titel Der Maler und sein Modell und für die Darstellung von Gewalt und Leid. Nach der ersten Präsentation tourte das Gemälde durch verschiedene Städte Europas, unter anderem war es in der Whitechapel Gallery in London zu sehen, und ist bis heute eines der am Häufigsten reproduzierten Motive im Zusammenhang mit Antikriegsbewegungen geblieben. Ab 1939 hing das Werk im Museum of Modern Art in New York, wo es nach dem Willen Picassos bis nach Francos Tod blieb. 1981 wurde es ins Museo de Arte Reina Sofía in Madrid überführt. In jüngster Zeit erregte das Gemälde Aufmerksamkeit als die US-Regierung unter George W. Bush 2003 im UNO Hauptgebäude in New York eine Kopie des Bildes einen 1985 von Nelson Rockefeller gestifteten Wandteppich mit einer blauen Fahne abdecken liess. Der damalige amerikanische Aussenminister Colin Powell präsentierte vor dem verhüllten Bild Indizien für die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak, um den bevorstehenden Einmarsch ins Land zu legitimieren. Wie sich später herausstellte, waren Teile des Beweismaterials gefälscht.

"RAZZLE DAZZLE (PPG)", 2010, die flächendeckende Wandmalerei an der Rückwand der Kunsthalle Basel von Fabio Marco Pirovino, ist eine aktuelle Auseinandersetzung mit der Geschichte sowie der kulturellen und politischen Bedeutung von "Guernica" (1). Mittels Mausklick suchte Pirovino nach dem ersten Bild, das unter dem Stichwort Guernica bei Google erscheint und bearbeitete dieses mit einem einfachen Photoshop-Verfahren: Er bestimmte die unterschiedlichen Grauwerte im Bild und übermalte mit einer festgelegten Pinselgrösse die Darstellungen soweit, dass die in der Grisaille-Technik gemalten Figuren in abstrakte Flächen überführt wurden. Zuletzt drehte der Künstler das Bild auf den Kopf, um, wie er sagt, die Komposition stärker zu betonen und das Gemälde noch einen Schritt weiter zu abstrahieren. Die digitale Bearbeitung des ursprünglichen Motivs wurde schliesslich wieder in ein analoges Verfahren übersetzt, indem der Künstler sein Bild am Computer von Hand nachzeichnete und entsprechend der gesamten Länge der Wand im Copy&Paste -Stil mehrmals hintereinander kopierte. Mittels einer alten Freskotechnik wurde das Motiv dann in entsprechender Vergrösserung mit einem echten Pinsel auf die Rückwand gemalt.

Picassos expressive Darstellung des Leids wird bei Pirovino zu einer etwas mehr als drei Mal wiederholten abstrakten Komposition, die selbst übergross an der Wand noch sehr digital anmutet. Der Duktus des (Photoshop-)Pinsels ist ebenso erkennbar wie die Naht, wo ein Bild ans nächste angesetzt wurde. In der Wiederholung muten die weissen, grauen und schwarzen Farbtöne wie eine Art der Camouflage an, die sich der figürlichen Darstellung entzieht. Razzle Dazzle zu Deutsch Täuschungsmanöver, Durcheinander, aber auch Effekthascherei ist die Bezeichnung von Tarnmustern von Kriegsschiffen, die mehrheitlich im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurden (Das Muster geht zurück auf den britischen Künstler Sir Norman Wilkinson und sollte eher der Verwirrung als der Tarnung dienen).

"RAZZLE DAZZLE (PPG)" verweist nicht nur auf die symbolische Bedeutung von "Guernica" als politisiertes und vielfach reproduziertes Gemälde, sondern ist auch ein Nachdenken über die Macht der Bilder an sich in Fotografie wie Malerei und deren Gebrauch und Instrumentalisierung heute. Die Verfügbarkeit von visuellem Material im Netz und die technische Entwicklung von Bildbearbeitungsprogrammen ermöglicht eine massive gestalterische Freiheit in der Kunst, deren Grenzen sich in der Politik konträr dazu verhält: digitale Bearbeitung und Vervielfältigungstechniken von Medienbildern erleichtern die Verfälschung von Tatsachen und werden aus unterschiedlichen politischen Gründen von verschiedenen Seiten in Konflikten als Propagandamittel eingesetzt. Die vermeintliche Transparenz durch die Allgegenwärtigkeit von Foto- und Filmkameras und dem Zugang zum Internet wird immer wieder durch Falschmeldungen von manipuliertem Bildmaterial gebrochen. Selbst die Vorlage stellt sich als eine nicht ganz exakte Repräsentation des Originals heraus: das erste Bild, was zum Zeitpunkt der Suche im Netz unter dem Stichwort Guernica erschien, war leicht angeschnitten.

Pirovino, der sein Fotografiestudium 2007 an der Zürcher Hochschule der Künste abschloss, hat eines der meist zitierten Gemälde als Vorlage genommen. Sein Werk ist ein zeitgenössischer Kommentar über das Bestreben der Kunst nach einer Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen jenseits eines reinen Abbildungscharakters. Pirovino arbeitet bei der Produktion seiner Werke, die Fotografie ebenso wie Zeichnungen und Aquarelle umfassen, mit der Affinität eines Malers: Verschiedenste Materialien werden spielerisch auf ihre Formen überprüft und neue Kompositionen mittels Variation und Reduktion geschaffen. Der Prozess der digitalen Bearbeitung ist dabei immer offen gelegt und die Schnittstellen der fotografischen Collagen bleiben wie auch an der Rückwand sichtbar.

Von Andy Warhol ist überliefert, dass er seinen Assistenten fragte, was er machen könnte, das abstrakt, aber nicht wirklich abstrakt wäre. Das Arbeiten mit Camouflage war eine Antwort mit einem abstrakten Muster umzugehen, das dennoch unzählige Assoziationen wach rief. Von Pirovino könnte man sagen, dass er sich wie ein Terrorist zu Picasso und Warhol verhält: er entpolitisiert "Guernica" und wappnet es gleichzeitig für eine post-politische Ära, indem er es wieder militant macht.

(1) Die Stadt Basel verbindet eine einzigartige Beziehung zu Picasso. Bereits 1914 wurden erste Arbeiten von Picasso in der Kunsthalle Basel ausgestellt und 1967 bot Peter G. Staechelin, der Hauptaktionär der Basler Charterfluggesellschaft Globe Air , der Stadt zwei Gemälde aus der Familiensammlung für 8.4 Mio. Schweizer Franken zum Verkauf an, um sein marodes Flugunternehmen vor dem (nicht mehr abwendbaren) Konkurs zu retten. Der Grosse Rat bewilligte einen Kredit von 6 Mio. und innert weniger Wochen konnte mit einer Sammelaktion, dem Bettlerfest , die fehlende Summe von 2.4 Mio. aufgeboten und die Werke fürs Kunstmuseum Basel angekauft werden. Pablo Picasso schenkte der Stadt aus Freude über den Ankauf später noch vier weitere Gemälde.

Das Projekt wurde grosszügig unterstützt von:
Heivisch

Sachsponsoring von:
Dold AG, Münchenstein
Fleig Plot AG, Basel

Fabio Marco Pirovino (geb. 1980, Basel) lebt und arbeitet in Basel und Zürich. Er ist Absolvent des Studienbereichs Fotografie der Zürcher Hochschule der Künste. Pirovino war mehrmals an der "Regionale" vertreten und erhielt anlässlich der "Regionale 10" in der Kunsthalle Basel den Reisepreis des Basler Kunstvereins. Er war an diversen Gruppenausstellungen vertreten u.a. an der "Plat(t)form", Fotomuseum Winterthur und mit Amberg&Marti in Riga ("Amberg&Marti zeigen FMP") (beide 2007). Im August 2010 stellt Pirovino im Ausstellungsraum Klingental in der Gruppenausstellung "The Artist and the Photograph" aus. Im Januar 2010 hatte er eine Einzelausstellung in der Coalmine Fotogalerie, Winterthur ("20th Century Fox, in Memory of Thomas Knoll") und 2009 bei Abbt Projects, Zürich ("Fabio Marco Pirovino: Propaganda + Instinct"), Paloma Presents, Zürich ("FMP at his own flat") sowie bei Marks Blond Projects in Bern ("Icarus").
MuseumKunsthalle Basel
Start12.06.2010
Ende31.10.2010
31.12.2010Noten - Blüten - Scheingeld
Kleine Sonderausstellung zum Papiergeld 
 
Mit Exponaten und einem Dokumentationsfilm aus dem Fundus der Schweizerischen Nationalbank Bern sowie Objekten aus der Sammlung der Basler Papiermühle.
MuseumBasler Papiermühle
Start04.09.2010
Ende31.12.2010
31.12.2010Merkwürdig
Objekte, die aus der Reihe tanzen 
 
Die Ausstellung nimmt den Besucher mit auf eine Entdeckungsreise durch die Welt der Kuriositäten: sie präsentiert Objekte aus dem jüdischen Alltagsleben, dem Kult und der Geschichte, die sich in Material, Form oder Verwendungszweck vom üblichen Ausstellungsgut unterscheiden.
MuseumJüdisches Museum der Schweiz
Start16.03.2009
Ende31.12.2010
23.01.2011Andy Warhol. The Early Sixties
Paintings and Drawings 1961-1964 
 
Nach einer erfolgreichen Karriere als Werbegrafiker entschloss sich Andy Warhol (1928 1987) in den frühen 1960er-Jahren zur freien künstlerischen Tätigkeit. Sein Fokus blieb dabei die Welt des Konsums und der Massenindustrie. Die Ausstellung beleuchtet die entscheidenden Anfangsjahre des Malers und Zeichners. In den Jahren 1961 bis 1964 ersetzte Warhol schrittweise eine individuelle Bildsprache durch bereits mediatisiertes und damit kollektives Bildmaterial sowie mechanische Bildverfahren. Diese malerische Erneuerung erweiterte grundlegend das Feld künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten und wirkt bis heute nach. Es werden rund 70 Gemälde und Zeichnungen zu sehen sein, darunter bedeutende Werke aus dem Besitz des Kunstmuseums Basel und des Kupferstichkabinetts.
MuseumKunstmuseum Basel
Start05.09.2010
Ende23.01.2011
27.02.2011Musik in der Zeit
Uhren mit mechanischen Musikwerken teilen den Tag 
 
Glockenspiel in Turmuhren, Schreibsekretär mit Uhr und Orgelwerk, Wand- und Kaminuhren mit Musikwerk, Flötenuhr oder goldene Prunkvase mit Uhr, Musikwerk und Singvögeln seit dem 14. Jahrhundert wurden Uhren mannigfaltig mit Musikwerken ausgestattet, um sie exquisiter und kostbarer erscheinen zu lassen. In der Vergangenheit gestalteten Glockenspiele und Musikwerke zudem den Tagesablauf der Menschen.

Das Museum für Musikautomaten Seewen widmet sich in seiner neuen Sonderausstellung diesen musikalischen Zeitmaschinen vergangener Epochen.

Führungen durch die Sonderausstellung: Mittwoch und Sonntag 14.30 Uhr
MuseumMuseum für Musikautomaten, Seewen
Start22.06.2010
Ende27.02.2011
28.02.2011Zugänglichkeit zur Sammlung
Mitteilung an Besucherinnen und Besucher 
 
Das Ausstellungsangebot im Museum der Kulturen beschränkt sich zurzeit auf
eine permanente Schau zur Basler Fasnacht. Ein Inforaum orientiert zudem über das laufende Bauprojekt zur Erweiterung des Museums. Die bisherigen Dauerausstellungen mit Exponaten aus den Sammlungen zu Afrika, Amerika, Europa, Ozeanien, Südostasien sowie Süd-, Zentral- und Ostasien sind im Hinblick auf den bevorstehenden Umbau des Museums abgebaut worden - und deshalb nicht mehr zugänglich! Ab 2011 wird es möglich sein, den einmaligen Sammlungen des Hauses im erweiterten Museum der Kulturen ganz neu zu begegnen.
MuseumMuseum der Kulturen Basel
Start
Ende28.02.2011
15.05.2011Zwischenräume
 
 
Sie entstehen und vergehen, sind selten geplant und doch allgegenwärtig: die Zwischenräume.

Im zeitlichen Zwischenraum zeigt das Museum der Kulturen Basel Zwischenräume Fotografien vom Bau in Beziehung gesetzt zu Objekten aus den Sammlungen. Auf der Baustelle des Museums der Kulturen entstehen laufend neue Zwischenräume, die Michael Fontana seit Baubeginn 2009 fotografisch dokumentiert. Die ausgestellten Objekte aus den Sammlungen verkörpern und thematisieren auf ganz unterschiedliche Art und Weise Räume und Zwischenräume und selbstverständlich entstehen auch gedankliche Zwischenräume.

Der Besucher wird sich stets in Zwischenräumen zwischen Objekten und Fotografien befinden. In diesen Zwischenräumen treffen Materialien und Formen, Proportionen und Inhalte aufeinander. Mal harmonieren sie, dann reiben sie sich aneinander, immer entstehen jedoch neue Perspektiven und Wahrnehmungen.

Fotografien wie Objekte erlauben Einblicke in neue Räume: Kultur-, Zeit- und Zwischenräume sowie Raumnischen und Raumgrenzen. Der Besucher ist in der Ausstellung zu einer Reise durch physische und imaginäre Zwischenräume eingeladen.
MuseumMuseum der Kulturen Basel
Start27.08.2010
Ende15.05.2011
15.05.2011Inforaum zum Bauprojekt von Herzog & de Meuron
Ein Blick in die Zukunft des Museums der Kulturen Basel 
 
Das Museum der Kulturen wird erweitert. Das Bauprojekt des Architekturbüros
Herzog & de Meuron umfasst einen zusätzlichen Ausstellungsraum, einen neuen Eingangsbereich im Untergeschoss sowie die Neugestaltung des Museumshofs.

Die neue Halle für Ausstellungen ergänzt die drei bestehenden Stockwerke des Hauptgebäudes des Museums der Kulturen als neues Dachgeschoss. Unregelmässig gefaltet wird sich dieses in die Dachlandschaft des mittelalterlichen Basels einfügen und gleichzeitig ein neues Zeichen im Herzen der Stadt setzen. Ab dem Jahr 2011 wird dem Museum somit eine grosse, zusammenhängende Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen, die in jeder Hinsicht spektakuläre Ausblicke verspricht.

Baupläne, Visualisierungen sowie Modelle und laufend aktualisierte Fotos von der Baustelle sind während der ganzen Bauzeit (2008-2011) in einem Inforaum zum Bauprojekt im Museum der Kulturen zu sehen (Augustinergasse 8, 2. Stock).
MuseumMuseum der Kulturen Basel
Start30.08.2008
Ende15.05.2011
31.07.2011HERZLichen Glückwunsch
Sonderausstellung zum 150. Geburtstag von Theodor Herzl 
 
Neben der berühmten Porträtaufnahme von Theodor Herzl auf einem Balkon des Hotels Drei Könige sind Objekte aus der Sammlung zu sehen, die den frühen Zionismus und den ersten Basler Zionistenkongress illustrieren.
MuseumJüdisches Museum der Schweiz
Start21.04.2010
Ende31.07.2011
31.01.2012Die verschiedenen Gesichter des Gesichts
Das Gesicht ist ein Abbild der Seele (Cicero) 
 
Die Ausstellung beleuchtet das Gesicht aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Anatomie, Funktion, Schönheit, Alterung, Rekonstruktion, Medizin, Forensik, Transplantation, Kunst etc.
MuseumAnatomisches Museum der Universität Basel
Start02.09.2010
Ende31.01.2012
31.12.2012Augusta Raurica: Modellstadt - Stadtmodell
 
 
Stadtplanung auf dem Reissbrett ist keine moderne Erfindung. Schon in römischer Zeit wurden ganze Städte am Schreibtisch geplant. Augusta Raurica ist ein typisches Beispiel dafür. Funde rund um ein dreidimensionales Modell illustrieren die Stadtgeschichte von der Gründung im Jahre 44 v. Chr. bis zu ihrem Niedergang um 600 n. Chr.
MuseumAugusta Raurica, Augst
Start25.03.2010
Ende31.12.2012
30.11.2014Die frühe Kirche in Kaiseraugst in neuem Licht
 
 
Alle sind sich einig: Die Mauerreste im kleinen Schutzbau unterhalb der bestehenden Kirche St. Gallus in Kaiseraugst gehören zu einer der frühesten christlichen Anlagen der Nordwestschweiz.

Der in den 1960er-Jahren ausgegrabene Komplex wurde zunächst für die Amtskirche des (in Schriftquellen für die Jahre um 340 n. Chr. bezeugten) Bischofs Justinian gehalten, doch konnte diese Interpretation durch das neuste Forschungsprojekt von Guido Faccani widerlegt werden: Die Kirche scheint erst im späteren 4. Jahrhundert erbaut worden zu sein und das vermeintliche Taufbecken hatte keine liturgische Funktion, gehörte also nicht zu einem Baptisterium, sondern war eher Teil der Badeanlage der bischöflichen Residenz. Die neuen Erkenntnisse mindern die Bedeutung der Fundstätte jedoch in keiner Weise.

Im Vordergrund der Ausstellung Frühe Christen im Schutzhaus stehen einige christliche Grabsteine aus dem Kastellfriedhof sowie mit christlichen Symbolen geschmückte Gegenstände des 4. bis 7. Jahrhunderts. Die Mauerreste im Schutzhaus bilden dabei faktisch und im übertragenen Sinne den Rahmen der Präsentation: am einen Ende die Kastellmauer, Symbol römischer Macht, am anderen Ende die Mauer der ersten Kirche, Zeichen des Aufstiegs des Christentums.

Besuchen Sie die frühe Kirche in Kaiseraugst und lassen Sie sich in die Zeit nach den Römern versetzen. In jene Jahrhunderte, in welchen die römischen, germanischen und christlichen Wurzeln zu unserer europäischen Gesellschaft zusammenwuchsen.
MuseumAugusta Raurica, Augst
Start15.04.2009
Ende30.11.2014
Wetter

Aktuelles Wetter

Mi Mittwoch 8. September 2010 8.9 bedeckt 16°

Prognose für die nächsten Tage

Do Donnerstag 9. September 2010 9.9 bewölkt, einige Regenschauer 12° | 16°
Fr Freitag 10. September 2010 10.9 Aufhellungen, einzelne Regenschauer 11° | 18°
Sa Samstag 11. September 2010 11.9 sonnig 11° | 20°
So Sonntag 12. September 2010 12.9 ziemlich sonnig 12° | 22°
Mo Montag 13. September 2010 13.9 bewölkt, einige Regenschauer 12° | 20°

Quelle: MeteoSchweiz